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Lärm macht krank: Das unterschätzte Gesundheitsrisiko

· 3 Min Lesezeit

Auch Persönliche Schutzausrüstung hat ihre Stars an Produkten. Der Gehörschutz gehört jedoch leider nicht dazu – und das, obwohl Lärmschwerhörigkeit laut AUVA die am häufigsten auftretende Berufskrankheit und zudem entschädigungspflichtig ist. Lesen Sie hier im Überblick, warum wir unser Hörvermögen und Sie das Ihrer Mitarbeiter bestmöglich schützen sollen.

Ruhe bitte

Lärm ist nicht nur störend, sondern wirkt sich auch auf unsere Gesundheit aus und kann diese beeinträchtigen. Eine Schädigung des Hörvermögens tritt im Allgemeinen erst ein, wenn man regelmäßig einer hohen Lärmbelastung ausgesetzt ist. Doch auch niedrigere Lärmpegel beeinträchtigen Schlaf, Konzentration und Kommunikation und verursachen so Stress für Körper und Psyche.

Schutz vor Lärm im Betrieb

Lärm ist auch im beruflichen Alltag ein Thema. Die österreichische PSA-Verordnung sieht in §11 vor, dass Arbeitgeber die Lärmbelastung am Arbeitsplatz ermitteln und – unter anderem – das Lärmniveau auf das niedrigstmögliche senken müssen. Zudem ist dem Arbeitnehmer ab 80 dB (Dezibel) ein Gehörschutz zur Verfügung zu stellen, den er ab 85 dB auch tragen muss. Lärmbereiche sind außerdem zu kennzeichnen und abzusperren.

Dabei gilt es zu beachten, dass bereits, wenn ein Gehörschutz nur kurzzeitig nicht getragen wird, eine Schädigung des Gehörs erfolgen kann, was sich aber unter Umständen erst nach Jahren bemerkbar macht. Das Tückische daran ist, dass eine schleichende Gehörschädigung nicht weh tut und deshalb oft unterschätzt wird. Lärmschwerhörigkeit ist jedoch nicht heilbar und beeinflusst das tägliche Leben massiv. Auch Hörgeräte können hier nur bedingt helfen. Richtiger Gehörschutz und eine korrekte Anwendung sind daher essenziell.

Diese verschiedenen Gehörschütze gibt es

Beim Gehörschutz werden folgende Arten unterschieden, welche nach der EN 352 genormt sind:

  • Gehörschutzstöpsel, die im Gehörgang getragen werden: Dies empfiehlt sich, wenn der Gehörschutz ständig getragen werden muss – besonders bei erhöhten Temperaturen, Feuchtigkeit und Staubbelastung. Auch wenn weitere PSA bzw. eine Brille getragen werden, ist diese Art von Gehörschutz zu empfehlen.
  • Bügelgehörschutz, der auf oder im Gehörgang eingesetzt wird: Die Stöpsel sind hier mit einem Bügel verbunden.
  • Kapselgehörschützer, die beide Ohrmuscheln umschließen. Wird der Gehörschutz regelmäßig auf- und abgenommen, sind Kapselgehörschützer eine gute Wahl.

Bei sehr hohen Schallpegeln ist eine Kombination aus Stöpsel und Kapseln zu empfehlen, jedoch ist gleichzeitig eine Überprotektion zu vermeiden, da dies zu einer Beeinträchtigung der Wahrnehmung von Gefahrsignalen führen kann. Hier hilft auch die Schalldämmungsangabe des Herstellers.

Bequem muss es sein

Eine sorgfältige Auswahl ist aber auch hinsichtlich des Tragekomforts wichtig. Je höher dieser ist, desto höher ist auch die Bereitschaft von Mitarbeitern, den Gehörschutz zu tragen. Eine Auswahl an verschiedenen Produkten ist daher ratsam – schließlich ist nicht jedes Ohr gleich. Und der Schlüssel, um optimal vor Lärm geschützt zu sein, ist der richtige Sitz der Gehörschutzlösung.

Im Durchschnitt beträgt die Eingewöhnungsphase für den individuellen Gehörschutz ein bis drei Wochen. Die Erfahrung zeigt, dass Arbeitnehmer die Vorteile eines passenden Gehörschutzes nicht mehr missen möchten, sobald das Tragen Gewohnheit geworden ist.

Es liegt eine besondere Tragik darin, dass so gut wie jeder Fall von Lärmschwerhörigkeit mit dem richtigen Gehörschutz zu 100 % vermieden hätte werden können.

Aber die gute Nachricht ist: Mit einer soliden Analyse der Lärmbelastung im Betrieb,  guter Beratung und einer sorgfältigen Auswahl des richtigen Produkts können Sie sich und Ihre Mitarbeiter ausreichend vor Gehörschäden schützen.


Über den Autor

Hilde Boss
Sortimentskommunikation Arbeitsschutz
Hilde Boss ist zuständig für die Sortimentskommunikation im Bereich Arbeitsschutz bei Haberkorn. Sie ist die erste Ansprechpartnerin für Kommunikationsmaßnahmen und bereitet relevanten Content zu Fachthemen für geeignete Kommunikationskanäle auf.