Beengte Räume: sicherer Einstieg und Ausstieg

Ein Mann in einem engen Tunnel

Sicher arbeiten

Enge Tunnel, dunkle Schächte, Silos und Kanäle – bei vielen Menschen erzeugt das natürliches Unbehagen. Dennoch sind Arbeiten wie beispielsweise zur Instandhaltung, Inspektion, Reinigung etc. in solchen Behältern oder allgemein in engen Räumen notwendig.

Mit den richtigen Schutzmaßnahmen ist jedoch sicheres Arbeiten in engen Verhältnissen möglich. Die fachmännische Planung und die gesetzlich vorgeschriebene Ausbildung der Mitarbeiter für diese Tätigkeiten sind dabei die ideale Absicherung gegen Unfälle und rechtliche Probleme.


Beengte Räume: sicherer Einstieg und Ausstieg – Highlights

Mann bei der Arbeit in einem Liftschacht
Was ist ein beengter Raum?

Im Allgemeinen versteht man darunter Räume, die:

  • Gefahren für Gesundheit und/oder Sicherheit bergen können
  • nur eingeschränkte Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten bieten
  • von allen oder überwiegend vielen Seiten umschlossen sind
  • nicht für einen dauerhaften Aufenthalt ausgelegt sind
  • eine eingeschränkte Luftzirkulation besitzen

Typische Arten von engen Räumen sind zum Beispiel unterirdische Kanäle und Tunnel, Lüftungs- und Aufzugsschächte oder auch Speicherbehälter.

Eisenschlingen als Einstieg in Schacht
Das Befahren von Behältern

Alle Tätigkeiten, bei denen sich der Arbeitende in Behältern befindet oder sich hineinbeugt, nennt man das „Befahren von Behältern“. Dieser Begriff wurde aus dem Bergbau übernommen.

Viele kleine und ein großer Paragraf
Rechtsgrundlage und Arbeitsschutzbestimmungen

Für das Befahren von Behältern gelten neben dem grundsätzlichen ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG) folgende spezifische Bedingungen:

  • Allgemeine Arbeitnehmerschutzverordnung, AAV §§ 41, 59, 60
  • Bauarbeiterschutzverordnung, BauV §§ 120 und 122
  • Arbeitsmittelverordnung, AM-VO §§ 49, 50, 51
  • Verordnung explosionsfähige Atmosphären, VEXAT besonders §§ 6, 17
  • Verordnung Persönliche Schutzausrüstung, PSA-V, besonders §§ 7, 14, 15
  • OVE/ÖNORM E 8001-4-706, Stand 2013-03-01 (früher: OVE-EN 1 Teil 4 § 65:1985)

Weiters zu berücksichtigen sind:

  • Grenzwerteverordnung (GKV 2011)
  • Verordnung brennbarer Flüssigkeiten (VbF)
  • Explosionsschutzverordnung 1996, ExSV 1996
  • Flüssiggasverordnung (FGV)
  • Verordnung über die Gesundheitsüberwachung am Arbeitsplatz (VGU 2014)
  • OVE/ÖNORM EN 60974-9 Stand 2011-03-01
Mehrere Silos
Wo gibt es enge Räume?

Jede Branche hat ihre Herausforderungen – so auch bei Arbeiten in engen Räumen. Diese gibt es zum Beispiel in der pharmazeutischen Industrie, der chemischen Produktion, der Lebensmittelindustrie, der Abwasseraufbereitung oder auch in der Öl- und Gasindustrie.

Ein dunkler Tunnel mit Wasser
Was kann in beengten Räumen passieren?

Bei engen Schächten und Räumen ist der Einstieg und Zugang begrenzt. Bei den Gefahren unterscheidet man zw. physischen und atmosphärischen Gefahren.

Besonders eine begrenzte Luftzirkulation ist gefährlich für Gesundheit und Sicherheit. Unfälle in engen Räumen sind leider keine Seltenheit. Eine vorausschauende Planung der Arbeit im beengten Raum ist daher unabdingbar.

Physische Gefahren:

  • Gefahr des Absturzes
  • Gefahr von herabfallenden Gegenständen
  • Lärm und einhergehende Schädigung des Gehörs

Atmosphärische Gefahren:

  • Brennbare, entflammbare und explosive Stoffe
  • Gesundheitsgefährdende Schadstoffe in der Luft wie Gase, Dämpfe, Staub oder Rauch
  • Sauerstoffmangel und Hitze
  • Ertrinken
  • Biologische Gefahrenstoffe
Ein Mann, der in einen Kanal absteigt
Einstieg in beengte Räume – wichtige Fragen und Grundregeln

Gut vorbereitet zu sein, kann Leben retten. Deswegen gilt es, vorab Grundregeln zu beachten und wichtige Fragen im Vorhinein abzuklären:

Giftige Gase können zur Lebensgefahr werden – selbst wenn das tragbare Gasmessgerät genügend Sauerstoff anzeigt. Daher ist die Frage zu klären: Gibt es Gefahrstoffe und Sauerstoffmangel?

Gibt es Rohre oder Einbauten im Behälter?

Müssen Arbeiten mit elektrischen Betriebsmitteln im Behälter durchgeführt werden?

Kann ausgeschlossen werden, dass brand- oder explosionsgefährliche Stoffe vorhanden sind?

Besteht Absturzgefahr?

Sind Rettungs- und Bergungsmöglichkeiten vorbereitet bzw. ist eine Selbstrettung möglich?

2 Männer, die in einen Kanal schauen
In vier Stufen zum sicheren Arbeiten in beengten Räumen

1. Planen und Genehmigen

Eine Risikoeinschätzung gehört zu einer guten Planung dazu und kann Leben retten. Zunächst wird der jeweilige Raum einer der 3 Risikostufen (niedriges Risiko, mittleres Risiko, hohes Risiko) zugeordnet.

2. Sicherer Einstieg und Ausstieg

Vor dem Einstig wird eine mögliche atmosphärische Gefahr durch Freimessen ermittelt, um sicherzustellen, dass ein gefahrloses Arbeiten möglich ist. Die Auswahl der richtigen Ausrüstung ist essentiell. Lesen Sie dazu weiter unten die Top-Empfehlungen unseres Sortimentsmanagers für Arbeitsschutz Bernhard Bär.

3. Im Inneren arbeiten

Eine kontinuierliche Überwachung der Umgebungsluft ist notwendig um sicherzustellen, dass sich die Sauerstoff- oder Gefahrstoffkonzentration nicht ändert.

4. Rettung

Vor dem Betreten eines engen Raumes ist ein Rettungsplan zu erstellen. Vorrang sollte immer die Selbstrettung und die Rettung ohne Einstieg haben. Eine entsprechende Schulung ist unentbehrlich und sollte einmal jährlich wiederholt werden.

Haberkorn bietet über das ganze Jahr Schulungen zu diesem Thema an – informieren Sie sich hier.

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