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Wolfgang Günter von der BSK GmbH im Interview

· 3 Min Lesezeit

Wolfgang Günter ist Baustellen-Koordinator und Inhaber der BSK GmbH. Neben jahrelanger Erfahrung im Baugewerbe verfügt Wolfgang Günter über ein weitläufiges Beziehungsnetz zu regionalen Bauträgern, Spezialplanern und Architekten und macht seinen Job aus Überzeugung. Mit uns spricht er im Interview über die Aufgaben eines Baustellenkoordinators und aktuelle Themen, die Bauunternehmen in Bezug auf die Arbeitssicherheit beschäftigen.

Herr Günter, als selbstständiger Baustellen-Koordinator blicken Sie seit 1999 auf viele erfolgreiche Abwicklungen von Bauprojekten in Sachen Arbeitssicherheit auf der Baustelle zurück. Was gehört zu den wesentlichen Aufgaben eines Baustellen-Koordinators?

Als Baustellen-Koordinator bin ich in Vertretung der/des Bauherrin/Bauherrn für die Sicherheit auf der Baustelle zuständig.

Im Vorfeld werden in Absprache mit den Fachplanern und Bauherren die grundlegenden sicherheitstechnischen Maßnahmen für die Baustelle festgelegt und der Bauplatz auf Gefahrenquellen wie zum Beispiel Hochspannungsleitungen, Sumpfgebiete oder Einflugschneisen untersucht.

Aufgrund dessen wird der sogenannten SiGe-Plan (Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan) erstellt, in welchem für jedes Gewerk die Gefährdungen eruiert werden, die durch das Miteinander- und Nebeneinanderarbeiten entstehen können, und es wird festgelegt, was zum Schutz der Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer getan werden muss. Das können zum Beispiel Flucht- und Gehwege sein, aber auch die Baustellen-Ausstattung (Medizinkasten, Feuerlöscher etc.). Teil davon ist auch die Festlegung der Anzahl der WCs und Waschräume, die Einrichtung von Covid-19-Stationen sowie die Absicherung der Baustelle gegen unerlaubten Zutritt mittels eines Bauzauns oder sonstiger Einrichtungen.

Während des Bauvorgangs wird die Baustelle von mir mindestens einmal wöchentlich, bei größeren Baustellen auch zweimal wöchentlich hinsichtlich Mängel kontrolliert und protokolliert. Das Protokoll erhalten die/der Bauherrin/Bauherr, die Bauleitung und der jeweils zuständige Professionist. Damit ist die Weisung erfüllt.

Bei Abschluss der Baustelle werden die Unterlagen für die Sicherheit von späteren Arbeiten erstellt, wie zum Beispiel das Nachnutzen des Gebäudes (Leeren der Schächte, Außenreinigung des Gebäudes, jährliche Dachinspektionen, Lifte …). Das Dokument wird der/dem Bauherrin/Bauherrn übergeben und diese/r hat es für die Nachnutzung bereitzuhalten.

 

Welches Erlebnis ist Ihnen in diesen Jahren in besonderer Erinnerung geblieben?

Gerne denke ich an ein Bauprojekt in Oberlech vor einigen Jahren zurück. Damals war ich zweimal die Woche vor Ort. Zu den besten Zeiten waren um die 180 Handwerker gleichzeitig auf der Baustelle. Innerhalb von gerade mal sechs Monaten entstand ein fixfertiges Nobelprojekt. Trotz winterlicher Bedingungen ist das ganze Bauprojekt komplett unfallfrei verlaufen.

 

Was sind die größten Schwierigkeiten, mit denen Sie in Ihrem Job zu kämpfen haben?

Das ist eindeutig die Sprachbarriere. Vor allem in den Nebengewerken arbeiten viele Osteuropäer, die nicht gut Deutsch sprechen. Leider ist es nicht immer der Fall, dass von jedem Gewerk ein Deutschsprachiger auf der Baustelle ist. Sicherheit zu vermitteln ist in solchen Fällen richtig schwierig.

 

Bei vielen Baustellen handelt es sich um „Termin-Baustellen“, die mit teils sehr hohen Pönalen bei Verzug gestraft werden. Wie kann es aus Ihrer Sicht für Mitarbeiter auf diesen Baustellen, die zeitlich immer unter Druck sind, gelingen, das höchstmögliche Maß an Arbeitssicherheit zu gewährleisten?

Gerade in diesen Fällen sollte nicht der Bauleiter die Sicherheitstechnik unter sich haben, sondern der Baustellen-Koordinator. Die Bauleitung legt ihren Schwerpunkt auf den Termin und bekommt dementsprechend auch den Druck. Der Baustellen-Koordinator hat die Arbeitssicherheit als höchstes Ziel. In der Mitte trifft man sich dann am besten.

 

Was sind Ihres Erachtens aktuell die Themen, welche die Bauunternehmen in Bezug auf Arbeitssicherheit beschäftigen?

Derzeit ist das natürlich die Covid-19-Pandemie. Hier sind im Besonderen die Schalungsarbeiten ein Problem. Die Arbeiter müssen Schutzmasken tragen, da der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. Schalungsarbeiten sind körperlich sehr anstrengende Arbeiten – Schutzmasken zu tragen macht es nicht einfacher.

Auch im Innenausbau sind normalerweise drei bis vier Gewerke gleichzeitig in einem Stockwerk bei der Arbeit. Nun wird das anders getaktet, damit je Stockwerk nur ein Gewerk arbeitet.

 

Sie machen Ihren Job aus Leidenschaft. Was ist für Sie der besondere Reiz daran?

Der Umgang mit Menschen. Tatsächlich liegen mir die Gesundheit und Sicherheit am Herzen. Ich versuche, in einer guten Art auf eventuelle Missstände hinzuweisen und gemeinsam eine Lösung zu finden.

 

Vielen Dank für das Gespräch!


Über den Autor

Wolfgang Günter
Baustellen-Koordinator
Wolfgang Günter ist Baustellen-Koordinator und Inhaber der BSK GmbH. Neben jahrelanger Erfahrung im Baugewerbe verfügt Wolfgang Günter über ein weitläufiges Beziehungsnetz zu regionalen Bauträgern, Spezialplanern und Architekten und macht seinen Job aus Überzeugung.