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Sicherer Umgang mit Elektrizität

· 3 Min Lesezeit

Unfälle im Zusammenhang mit Elektrizität können vielfältig sein, bilden jedoch quantitativ eine kleinere Gruppe im Vergleich zu anderen Unfallursachen. Kommt es aber zu so einem Unfall, kann dieser mit schweren Verletzungen, wenn nicht sogar tödlich enden. Die Elektroschutzverordnung 2012 legt in drei Abschnitten den Schutz sowie (wiederkehrende) Kontrollen und Prüfungen fest. Die Gefahrenquellen sind gemischt; wir haben einige interessante Themen dazu für Sie herausgepickt.

Eine Gefährdung durch Elektrizität kann verschiedentlich erfolgen – sei es an einer ungesicherten Steckdose zu Hause oder bei Fehlverhalten bei Arbeiten an elektrischen Anlagen.

Laut AUVA ist das Risiko, an einem Elektrounfall zu sterben, rund 25 Mal so hoch wie das entsprechende Durchschnittsrisiko bei allen anderen anerkannten Arbeitsunfällen.

Die Unfallschwere kann von verschiedenen Aspekten beeinflusst werden. Dies können zum Beispiel Stromstärke und Spannungshöhe, Einwirkdauer, aber auch Übergangswiderstände wie Schuhwerk und Standort sein.

 

Gefahr für den Menschen

Lebensgefahr Störlichtbogen

Ein Störlichtbogen, auch „Arc Flash“ genannt, kann bei Montagefehlern wie zum Beispiel bei Nichteinhalten von Wartungen und Inspektionen auftreten, aber auch bei betriebsbedingten Fehlern wie Kondenswasser oder schlechter Kontaktierung. Somit kann dies eine Reihe von Berufsgruppen betreffen – ob Elektriker, Instandhalter oder zum Beispiel auch Energieversorger.

Bei einem Störlichtbogen handelt sich um eine elektrische Gasentladung zwischen zwei Elektroden – entweder zwei aktiven Leitern oder einem passiven und einem aktiven Leiter. Beim Störlichtbogen ist der Hintergrund eine Störung, bei welcher sich ein elektrisch leitfähiges Plasma bildet, dessen Temperatur bis zu 20.000 °C betragen kann. Die Stromstärke dabei kann über 1.000 Ampere aufweisen.

Es liegt auf der Hand, dass die Folgen dramatisch sind. Abgesehen von Bränden, die durch einen Störlichtbogen ausgelöst werden können und Schaltanlage sowie auch weitaus mehr zerstören können, ist das Leben involvierter Menschen in höchster Gefahr. Oberstes Ziel muss es daher sein, einen Störlichtbogen unter allen Umständen zu verhindern.

Kennen Sie die VEXAT?

Die „Verordnung über explosionsfähige Atmosphären“, kurz VEXAT, enthält im Sinne des ArbeitnehmerInnenschutzgesetzes Mindestvorschriften zur Verbesserung des Gesundheitsschutzes und der Sicherheit von Arbeitnehmern, die durch explosionsfähige Atmosphären gefährdet sein können.

Damit wurde die ATEX-Richtlinie der Europäischen Union in österreichisches Recht umgesetzt. Die Bezeichnung ATEX leitet sich aus der französischen Abkürzung für „ATmosphère EXplosibles“ ab.

Explosionsfähige Atmosphären betreffen viel mehr Berufsgruppen, als man vielleicht meinen würde. So werden neben Karosseriebauern, -spenglern und -lackierern, Metallschleifern oder Mitarbeitenden an Tankstellen auch Bäcker (Mehlstaub) und zum Beispiel Tischler und Zimmerer (Holzstaub) von diesem Thema tangiert. Die ATEX ist anwendbar, wenn Explosionsgefahren hinsichtlich brennbarer und explosiver Flüssigkeit, Kleber, Lack, Farbe oder Lösungsmittel sowie Mehl-, Holz- oder Metallstäuben bestehen.

Eine explosionsfähige Atmosphäre besteht aus einem Gemisch von Luft oder einer anderen oxidativen Atmosphäre sowie brennbaren Gasen, Dämpfen, Nebeln oder Stäuben. Nach erfolgter Entzündung überträgt sich der Verbrennungsvorgang auf das gesamte Gemisch.

In der VEXAT-Verordnung wird insbesondere festgehalten, dass:

  • eine Verpflichtung zur Ermittlung und Beurteilung sowie Dokumentation der Explosionsgefahren besteht
  • Information, Unterweisung und Altersfreigabe gefordert sind
  • Prüfungen, Messungen, Gefahrenanalyse und Störfallvorsorge erfolgen müssen
  • primäre, sekundäre und tertiäre Explosionsschutzmaßnahmen getroffen sein müssen
  • Anforderungen an elektrische Anlagen und Gegenstände in explosionsgefährdeten Bereichen erfüllt sein müssen (wiederkehrende Prüfungen längstens alle 3 Jahre)

 

Gefahr für Produkte

Hochkomplex und gefährlich: elektrostatische Entladungen (ESD)

ESD (electrostatic discharge), auf Deutsch „elektrostatische Entladung“, ist ein Ladungsaustausch zwischen zwei Elementen mit unterschiedlichen Spannungspotenzialen. Dies kann einen kurzen, hohen elektrischen Strom verursachen und zur Zündung von entzündlichen Stoffen führen.

Elektrostatische Aufladungen entstehen meist aufgrund von Reibung von isolierenden Materialien. Im Alltag begegnen uns solche elektrischen Entladungen bei Gewitterblitzen oder einem leichten elektrischen Schlag beim Berühren eines geerdeten Körpers.

Für Menschen oft nicht spürbar, können elektronische Bauteile dadurch stark beschädigt werden, was sich aber oft erst nach einiger Zeit zeigt. Genauso kann es aber auch zu einem Totalausfall betroffener elektronischer Bauteile kommen.

Auch Explosionsgefahr kann eine mögliche Folge elektrostatischer Entladung sein. Bei >7.000 Volt können Funken auftreten, die unter Umständen einen Brand auslösen. Sind entflammbare oder explosive Stoffe im Umfeld, kann ein solcher Funken verheerende Folgen haben.

In diesem Zusammenhang gibt es eine ESD-Norm, die festhält, was getan werden muss, damit solche Entladungen gar nicht erst entstehen. Vor allem in Reinräumen hat die Beachtung der ESD-Vorschriften oberste Priorität.

Auch der Mensch kann sich schützen: Als personenbezogene Sicherheitsmaßnahmen eignen sich unter anderem ein Handgelenkerdungsband, ESD-geeignete Bekleidung und ESD-Schuhe. ESD-Schutzkleidung wird durch ein entsprechendes aufgenähtes Zeichen gekennzeichnet.

Dem Thema elektrische Sicherheit muss aufgrund der Gefährlichkeit ein hoher Stellenwert beigemessen werden. Passen Sie auf sich auf!


Über den Autor

Hilde Boss
Sortimentskommunikation Arbeitsschutz
Hilde Boss ist zuständig für die Sortimentskommunikation im Bereich Arbeitsschutz bei Haberkorn. Sie ist die erste Ansprechpartnerin für Kommunikationsmaßnahmen und bereitet relevanten Content zu Fachthemen für geeignete Kommunikationskanäle auf.