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Sebastian Probst, Orthopädieschuhmachermeister, im Interview

· 3 Min Lesezeit

Sebastian Probst ist mit seiner langjährigen Erfahrung als Orthopädieschuhmachermeister bei Steitz Secura tätig und betreut Orthopädieschuhmacher, aber auch Industrieunternehmen und den technischen Handel bei der dynamischen Vermessung von Mitarbeitern. Mit uns spricht er im Interview über die Fußvermessung, wie diese individualisiert wird und über vieles mehr!

Herr Probst, was sind die Aufgaben eines Orthopädieschuhmachermeisters bei Arbeitsschuhen?

Ein Orthopädieschuhmacher stellt orthopädische Heil- und Hilfsmittel für Mitarbeiter mit Fußbeschwerden her und nutzt dazu auch moderne Möglichkeiten wie zum Beispiel eine Fußdruckmessung und die Erstellung von orthopädischen Fußabdrücken mittels Computer bzw. Scanner und neue Fertigungsverfahren.

Als Orthopädieschuhmachermeister stelle ich die Qualität der Erzeugnisse und Dienstleistungen sicher, bilde aus, arbeite aber auch praktisch mit und betreue Kunden.
Ich informiere mich zudem laufend über neue Methoden und Erkenntnisse rund um die Füße und die Fußvermessung.

Wie gehen Sie bei einer Fußvermessung, wie Steitz Care es macht, vor?

Grundsätzlich haben wir drei Bausteine, aus denen sich am Schluss ein umfassendes Bild ergibt, aus denen wir unsere Empfehlungen ableiten. Gestartet wird immer mit einer Anamnese des Mitarbeiters, bei der wir abfragen, ob Vorerkrankungen, Schmerzen etc. bestehen. Der zweite Punkt ist die digitale Vermessung: Das Fußvolumen wird mittels 3D-Scanner erfasst. Zudem wird eine plantare Druckmessung durchgeführt – also der Fuß in Bewegung aufgezeichnet. Diese beiden Punkte werden schlussendlich kombiniert mit dem dritten und wichtigsten Punkt: dem Fachwissen und der Erfahrung der Orthopädieschuhtechniker.

Aus dieser Vielzahl an Informationen entsteht für jeden Mitarbeiter eine passgenaue, individuelle Empfehlung, die entweder lautet, dass ein Standard-Produkt ausreichend, ist oder dass ein customized (also ein individuell angepasster) Schuh angeraten wird. Dieses Feedback erhält der Mitarbeiter am Schluss der Vermessung.

Individualität ist ein großes Thema. Können Sie uns das genauer erklären?

Wie ein Fingerabdruck ist auch jeder Fuß einzigartig und bewegt sich anders. Für uns ist es daher ganz wichtig, den Fuß in Bewegung zu sehen. Aus den Daten, die wir bei der Fußvermessung sammeln, werden drei individuelle Dämpfungszonen für den individuellen Schuh errechnet, die dann zonenweise produziert werden. Die Zwischensohle wird also biomechanisch auf das Gangbild abgebildet.

Wir haben auch die Möglichkeit, individuelle, 3D-gedruckte Einlagen herzustellen. Diese Einlagen sind so konstruiert, dass sie an die Fußform angepasst sind und den Fuß in Bewegung unterstützen. Diese Einlagen sind leicht und stabil, baumustergeprüft, es gibt zwei Jahre Garantie auf den Kern und sie besitzen austauschbare Decksohlen.
Daneben gibt es auch die klassischen Zurichtungen wie Sohlen- und Absatzerhöhungen, Abrollhilfen etc.

Wichtig zu erwähnen ist noch, dass alles, was wir im Bereich der Arbeitsschuhe machen gesetzeskonform ist. In Österreich regelt die ÖNORM Z 1259 alle orthopädischen Änderungen an Arbeitsschuhen, in Deutschland die DGUV-112-191.

Was bezeichnen Sie als die größten Vorteile dieser Methode?

Wir betrachten den Fuß und den Körper ganzheitlich, da sich durch Fußfehlstehllungen auch die Körperstatik  verändern kann, und konzentrieren uns auf individuelle Empfehlungen. Wenn es vom Unternehmen gewünscht wird, versorgen wir auch präventiv.

Das hat auch Auswirkungen auf die Kosten. Zum Beispiel können Aufwände für Personal und Lagerhaltung gespart werden. Nicht zu vergessen ist, dass bei einer durchdachten Prävention Probleme gar nicht erst entstehen und Ausfalltage sowie Verletzungen/Erkrankungen am Fuß deutlich reduziert werden.
 

Vielen Dank für das Gespräch!

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Über den Autor

Sebastian Probst
Orthopädieschuhmachermeister
Sebastian Probst ist seit 2003 ausgebildeter Orthopädieschuhmacher und seit 2018 Orthopädieschuhmachermeister. Seit Oktober 2019 arbeitet er bei Steitz Secura und ist für den Ausbau von Steitz Care mit verantwortlich. Hier betreut er Orthopädieschuhmacher, aber auch Industrieunternehmen und den technischen Handel bei der dynamischen Vermessung von Mitarbeitern. Dabei wird die Bewegung der Mitarbeiter analysiert und der Sicherheitsschuh an sie angepasst, mittels personalisierter Zwischensohle oder einer orthopädischen Einlegesohle.