Netzwerk Arbeitssicherheit

Robert Seeberger vom Arbeitsinspektorat im Interview

· 3 Min Lesezeit

Dr. Robert Seeberger ist Leiter der Abteilung technischer Arbeitnehmerschutz und stellvertretender Leiter des Arbeitsinspektorats Bregenz. Wir haben mit ihm über das Thema Arbeitnehmerschutz sowie über seine Tätigkeit als Arbeitsinspektor gesprochen.

Was halten Sie als ausgebildete Sicherheitsfachkraft vom Netzwerk Arbeitssicherheit, das Haberkorn ins Leben gerufen hat? Was ist aus Ihrer Sicht der größte Mehrwert?

Sicherheitsfachkräfte verstehen ihr Handwerk. Weiterbildung ist bei dieser Berufssparte von entscheidender Bedeutung. Gibt es dazu eine bessere Möglichkeit, als im Erfahrungsaustausch von Kolleginnen und Kollegen zu lernen? Haberkorn bietet mit dem Netzwerk Arbeitssicherheit eine tolle Plattform dazu.

Was dürfen sich die Besucherinnen und Besucher des Netzwerks Arbeitssicherheit von Ihrem  Marktplatzstand erwarten?

Wir kommen zu zweit zum Marktplatz. Elisabeth Martin leitet die Abteilung Verwendungsschutz. Sie ist Expertin für Arbeitszeitfragen, Kinder- und Jugendlichen-Schutz und Mutterschutz. Das Arbeitsgebiet meiner Abteilung reicht von der Maschinensicherheit über Sicherheit auf Baustellen bis zu gefährlichen Arbeitsstoffen. Wir freuen uns auf interessante Gesprächspartner und beantworten auch konkrete Anliegen zum Arbeitsschutz.

Was sind die zentralen Aufgaben des Arbeitsinspektorats?

Unser Ziel ist es, Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten zu vermeiden. Unsere drei Kernleistungen sind Beratung, Kontrolle und Parteistellung in Genehmigungsverfahren. Bei Vorbesprechungen von Projekten (Neubau von Firmengebäuden, Anschaffung neuer Maschinen, Einführung neuer Arbeitsverfahren) kann der Arbeitsschutz frühzeitig und kostensparend berücksichtigt werden.

Um was genau kümmern Sie sich in der Abteilung technischer Arbeitnehmerschutz?

Drei Beispiele:

  • Krebsprävention: Von den 20.000 jährlichen Krebstoten in Österreich sind zirka 1.800 durch Arbeitsstoffe am Arbeitsplatz erkrankt. Oft kann man die gefährlichen Stoffe leicht ersetzen – etwa statt benzolhaltigem Benzin Gerätebenzin tanken.
  • Schutzabdeckungen bei Sägen und anderen Maschinen verwenden: wenig Zeitaufwand – große Schutzwirkung.
  • Die meisten Unfälle passieren durch Sturz oder Absturz; ein einfaches Geländer im Betrieb und auf Baustellen bietet Schutz.

Wir beraten in solchen und ähnlichen Fragen und wir kontrollieren die Einhaltung der Schutzmaßnahmen.

Mit welchen Anliegen können sich unsere Besucherinnen und Besucher bei Ihnen melden?

Mit allen Fragen der Unfallverhütung und des Arbeitnehmerschutzes. Sollte eine Vorort-Besichtigung notwendig sein, können wir gerne einen Termin vereinbaren. Ich freue mich immer, wenn ich selbst dazulernen darf. Vielleicht erfahren wir etwas über gute Praxislösungen von den Netzwerkteilnehmern.

Worum kümmern Sie sich?

Die Tätigkeit des Arbeitsinspektors hat gesetzliche Bestimmungen zur Grundlage. Gerne kümmere ich mich um die eigene Weiterbildung und jene der Kollegen. Unser Beruf darf aber nicht graue Theorie sein. Daher bin ich oft in den Betrieben und bei Genehmigungsverhandlungen.

Was reizt Sie an Ihrem Job im Arbeitsinspektorat?

Dass wir durch unsere Tätigkeit die Unfallhäufigkeit senken können; dass trotz meiner 24-jährigen Tätigkeit als Arbeitsinspektor keine Langeweile aufkommt. Im gleichen Maße, wie sich technische Verfahren entwickeln, entstehen auch neue Gefährdungssituationen. Ich finde den Kontakt mit sehr vielen unterschiedlichen Charakteren bereichernd. Trotz thematischer Vorgaben bleibt uns Arbeitsinspektoren Zeit, uns in Spezialgebiete zu vertiefen. Das ist spannend und erfüllend und macht uns als Institution kompetent und stark.

Was kommt Ihnen als Erstes in den Sinn, wenn Sie an „Sicherheit“ denken?

Alles dafür zu tun, dass man nach einem Arbeitstag wieder gesund zur Familie nach Hause kommt. Und die körperlichen und psychischen Belastungen in einen Arbeitsleben so zu gestalten und zu dosieren, dass man viele gesunde Jahre im Ruhestand erleben darf. 

Vielen Dank für das Gespräch!


Über den Autor

Robert Seeberger
Arbeitsinspektorat
Robert Seeberger ist Leiter der Abteilung technischer Arbeitnehmerschutz und stellvertretender Leiter des Arbeitsinspektorats Bregenz. Als ausgebildete Sicherheitsfachkraft für Deutschland und Österreich ist er auch in der Erwachsenenbildung und Medienarbeit im Bereich Arbeitsschutz tätig.