Netzwerk Arbeitssicherheit

Johannes Sturn von der AUVA im Interview

· 3 Min Lesezeit

DI Dr. Johannes Sturn ist Fachkundiges Organ im Unfallverhütungsdienst bei der AUVA, der allgemeinen Unfallversicherungsanstalt. Er kennt die Vorarlberger Betriebe und ihre Herausforderungen. Im Interview spricht er über die AUVA, seine Tätigkeit und moderne und sichere Arbeitsplätze von heute.

DI Dr. Sturn, die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt AUVA gibt es mittlerweile seit 130 Jahren. Was sind die zentralen Aufgaben und Leistungen der AUVA?

Die Leistungen der AUVA, als Teil der österreichischen Sozialversicherung sind gesetzlich festgelegt. Diese sind:

  • Verhütung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten
  • Vorsorge für Erste Hilfe
  • Unfallheilbehandlung
  • Rehabilitation
  • Entschädigung
  • Forschung
  • Arbeitsmedizinische Betreuung
  • Zuschuss zur Entgeltfortzahlung

Nach dem Motto "Verhüten ist besser als Vergüten" steht der präventive Gedanke, vor allem aus Sicht des Unfallverhütungsdienstes im Zentrum. Durch die präventive Arbeit – unter anderem der AUVA – konnte in den letzten Jahrzehnten die Anzahl der Arbeitsunfälle deutlich reduziert werden. Dies führt zu einer Win-win-win-Situation:

  • Das potenzielle Unfallopfer hat keinen Schaden erlitten.
  • Das Unternehmen profitiert von reibungslosen Abläufen und gesunden Mitarbeitern.
  • Sozialwirtschaftlich schlägt der potenzielle Unfall nicht finanziell auf.

Mit was beschäftigen Sie sich in Ihrem täglichen Tun? Was sind die Aufgaben eines Fachkundigen Organs?

Das Thema ArbeitnehmerInnenschutz ist über die Jahre immer umfassender geworden. Verantwortliche in den Betrieben sehen sich zu diesem Thema mit immer neuen Herausforderungen konfrontiert. Neben den fachlichen Beratungen in den Betrieben ist es auch unsere Aufgabe, Drehscheibe für Informationen und weiteren Beratungsleistungen der AUVA zu sein. Österreichweit verfügt die AUVA über Fachexperten zu jedem Thema im Bereich des ArbeitnehmerInnenschutzes und kann daher eine bestmögliche Beratung anbieten.

Weiter ist es Aufgabe bzw. Ziel, über Netzwerkveranstaltungen, wie das Netzwerk Arbeitssicherheit oder auch der Sicherheitsfachkräfte-Tag, den wir gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Vorarlberg und dem VÖSI (Verein österreichischer Sicherheitsexperten) organisieren, den Austausch unter den Sicherheitsfachkräften zu fördern.

Auf welche Neuigkeiten dürfen sich die Besucherinnen und Besucher des Netzwerk Arbeitssicherheit freuen?

Wie auch die Arbeitswelt stetig mit Veränderungen und Herausforderungen konfrontiert ist, z. B. Digitalisierung und Fachkräftemangel, so hat sich auch die AUVA in ihrer Beratung an den Bedürfnissen der Betriebe zu orientieren und die Beratungsleistung stetig weiterzuentwickeln. Im technischen ArbeitnehmerInnenschutz wurden in den letzten Jahren sehr viel Ressourcen investiert. Gerade bei größeren Betrieben rückt aber nun die Frage "Wie bekomme ich das Thema ArbeitnehmerInnenschutz umfassend organisiert?" und "Wie ziehe ich größtmöglichen Nutzen aus dem Thema ArbeitnehmerInnenschutz?" immer mehr in den Fokus. Dies sind Themen, die über den organisatorischen ArbeitnehmerInnenschutz behandelt werden können. Die AUVA wird daher in den nächsten Jahren das Thema organisatorischer ArbeitnehmerInnenschutz entsprechend aufbereiten und beraten.

Was ist aus Ihrer Sicht ein moderner und sicherer Arbeitsplatz? Auf was legen die Fachkräfte von heute besonders wert?

Ein moderner und sicherer Arbeitsplatz muss sowohl die Bedürfnisse der ArbeitgeberInnen als auch der ArbeitnehmerInnen berücksichtigen. Auf der einen Seite brauchen Unternehmen gesunde, motivierte und engagierte Mitarbeiter, um gemeinsam mit Ihnen die Herausforderungen der Zukunft meistern zu können. Auf der anderen Seite wollen auch die Mitarbeiter – egal ob Fachkraft oder Hilfskraft – Arbeitsplätze vorfinden, die ihre jeweiligen Bedürfnisse berücksichtigen. 

Aus meiner Sicht ist ein moderner und sicherer Arbeitsplatz ein Arbeitsplatz, der den individuellen Bedürfnissen der einzelnen MitarbeiterInnen möglichst gerecht wird. Dabei können selbstverständlich viele Faktoren Betrachtung finden, wie z. B. Arbeitszeitgestaltung, ergonomische Bedürfnisse, Förderung des Mitarbeiters (Gesundheit, Weiterbildung, etc.), technische Ausstattung etc. Interessant dabei ist, dass im Schnitt von einem ROP (Return on Prevention) von 2,2 ausgegangen werden kann. Das heißt, dass sich Investitionen in den Arbeitsschutz jedenfalls lohnen.

Das Thema ist aber auch regional, z. B. für Vorarlberg anzusehen. In einer zunehmend globalisierten Welt stehen wir natürlich auch hinsichtlich Arbeitskräfte in Konkurrenz zu anderen Regionen. Neben Faktoren wie Wohnraum, Freizeitgestaltung, Lebensqualität, etc. spielen die Arbeitsplätze in den Unternehmen eine wesentliche Rolle, ob eine Fachkraft hier tätig wird oder eben nicht. 

Was bedeutet Arbeitsschutz für Sie?

Arbeitsschutz bedeutet für mich eine der wesentlichen Chancen für Unternehmen sich "zukunftsfit" zu machen. Unternehmen brauchen gesunde, motivierte, engagierte Mitarbeiter, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Arbeitsschutz stellt eine der wesentlichen Stellschrauben dar, die die Unternehmen haben, sichere und attraktive Arbeitsplätze zur Verfügung stellen zu können. Arbeitsschutz ist eben nicht nur eine sichere Maschine, sondern auch die räumliche Gestaltung (Belichtung, Beleuchtung, Luftqualität, etc.), die Berücksichtigung ergonomischer und psychischer Belastungen, der Umgang mit älteren Arbeitnehmern usw.

Vielen Dank für das Gespräch!


Über den Autor

Johannes Sturn
AUVA
Als Fachkundiges Organ im Unfallverhütungsdienst der AUVA, der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt, kennt Johannes Sturn die Vorarlberger Betriebe und ihre Herausforderungen. Neben der fachlichen Beratung unterstützt er Sicherheitsfachkräfte aus ganz Vorarlberg und fördert den Austausch untereinander.