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Coronavirus: Schutzmaßnahmen auf der Baustelle

· 3 Min Lesezeit

Wo vor Kurzem noch geschäftig gehämmert, betoniert und gebohrt wurde, ist es vielerorts ruhig geworden. Doch nicht überall: Während verschiedene große Baukonzerne in Österreich ihre Tätigkeit aufgrund des Virus COVID-19 („Coronavirus“) eingestellt haben, herrscht auf Baustellen privater Bauträger durchaus zum Teil noch Betrieb.

Zum immer aktuellen Thema der Arbeitssicherheit auf Baustellen kommt nun ein weiterer Aspekt hinzu – der Schutz vor COVID-19. Arbeitnehmer müssen auf jeden Fall auch auf Baustellen bestmöglich geschützt werden. Aber wie?

Baustellen weiter zu betreiben stellt momentan Arbeitgeber und Arbeitnehmer vor große Herausforderungen. Fehlende Materiallieferungen aus dem Ausland und das Ausfallen von Mitarbeitern aufgrund von Quarantäne, häuslicher Isolation oder mangelnder Möglichkeit zur Einreise nach Österreich sind nur zwei der Gründe, warum es immer schwieriger wird, der Arbeit nachzukommen. Auch das Einhalten des Mindestabstands auf dem Gerüst, im Mannschaftsbus (für den häufig eine Alternative fehlt) oder beim Innenausbau ist ein problematisches Unterfangen.

Diese Maßnahmen können auf Baustellen eingeleitet werden

Neben diesen Herausforderungen gibt es jedoch Schritte, die sofort eingeleitet werden können. Auch wenn es fraglos nicht einfach scheint, auf einer Baustelle hygienische Maßnahmen umzusetzen, gibt es Möglichkeiten, das Risiko einer Ansteckung möglichst gering zu halten:

  • Hinweise in verschiedenen Sprachen zum regelmäßigen Händewaschen, zum richtigen Niesen (in Armbeuge), zu Kontakt im Allgemeinen und zum Einhalten des Mindestabstands an verschiedenen Plätzen der Baustelle platzieren
  • Sanitärcontainer und Waschgelegenheiten mit warmem, fließendem Wasser sowie Seifenspendern und Handcremen ausstatten
  • auch bei anschlussfreien Toilettenkabinen (Baustellen-WC) sicherstellen, dass eine Waschgelegenheit mit fließendem, warmem Wasser gegeben ist
  • regelmäßige Reinigung und Desinfektion der sanitären Einrichtungen und der Aufenthaltscontainer (hier vor allem Tischplatten und Stühle) in kurzen Intervallen
  • Handschuhe tragen (nicht bei Einzugsgefahr!)
  • Schutzausrüstung nicht unter den Kolleginnen/Kollegen tauschen
  • Schutzmaske und Handschuhe täglich entsorgen

Weitere organisatorische Maßnahmen, damit der Mindestabstand gewahrt bleibt und der Kontakt minimiert wird, können sein:

  • zeitliche Staffelung der Pausen: sowohl bei der Jause als auch beim Mittagessen auf der Baustelle selbst oder im Pausencontainer
  • bei Pausen und Essen auf Hygiene achten: Hände waschen und desinfizieren
  • auf Mindestabstand achten und Gruppenansammlungen vermeiden
  • Geschirr, Gläser und andere Utensilien nicht teilen
  • Staffelung beim generellen Aufenthalt in den Containern
  • durchgängiges Lüften der Pausencontainer
  • gesonderte Abfalltrennung für Taschentücher, Gummihandschuhe, Gesichtsmasken und Handtücher sowie tägliches Leeren des Abfalls
  • Anfahrt der Mitarbeiter mit privatem PKW
  • Trennen der Arbeitsbereiche von verschiedenen Gewerken, die sonst gleichzeitig erfolgen
  • Aufteilen der Arbeiten in Schichten, sofern es technisch möglich ist

 

Schutzmaßnahmen bei Arbeiten, die Hand in Hand erfolgen müssen, sind zum Beispiel:

  • Arbeitsverfahren wählen, die durch einen Mitarbeiter allein durchgeführt werden können (zum Beispiel Bauteile verarbeiten, bei denen das allein möglich ist)
  • Reduktion der Arbeitnehmer auf ein Mindestmaß bei den einzelnen Arbeitsschritten
  • Einhalten des Sicherheitsabstands auch in Fahrzeugen und Bauaufzügen mit Personentransport

 

Besteht bei einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter, die/der sich im Betrieb befindet, der Verdacht auf eine Erkrankung an COVID-19 (Fieber, Husten und/oder Atemnot), sollten folgende Maßnahmen getroffen werden:

  • Nach Möglichkeit sollte die Person eine Atemschutzmaske aufsetzen, auf jeden Fall sich jedoch abseits der anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Isolation begeben
  • Anrufen der Nummer 1450 und den Anweisungen folgen
  • Beschränken des Kontakts mit der erkrankten Person auf das Notwendigste

 

Trotz erhöhtem organisatorischen Aufwand gilt es, die Mitarbeiter auf Baustellen bestmöglich zu schützen und zu informieren.
Es ist anzunehmen, dass sehr bald Schutzmaßnahmen für Baustellen auch von den Behörden festgelegt werden – dies zumindest für Situationen, in denen der Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden kann.

Letzten Endes ist neben allen Maßnahmen – ob auf der Baustelle, im Home-Office oder im Alltag – ein respekt- und verständnisvoller Umgang mit uns allen die Basis dafür, diese schwierige und beklemmende Zeit zu meistern.


Über den Autor

Hilde Boss
Sortimentskommunikation Arbeitsschutz
Hilde Boss ist zuständig für die Sortimentskommunikation im Bereich Arbeitsschutz bei Haberkorn. Sie ist die erste Ansprechpartnerin für Kommunikationsmaßnahmen und bereitet relevanten Content zu Fachthemen für geeignete Kommunikationskanäle auf.